ukrainekrieg

Nutzniesser eines Krieges ist die Wirtschaft. Die Waffenindustrie schafft neue Arbeitsplätze, Ärzte und Pflegeeinrichtungen

haben Einkommen durch die Behandlung der Verwundeten, schlussendlich hat die Bauwirtschaft mit all ihren Berufsgattungen für Jahre Arbeit, die zerstörten Infrastrukturen wieder herzustellen. Im Grunde genommen eine löbliche Situation, wäre da nicht das Leid anderer Menschen. Alle diese Arbeitskräfte, inklusive Soldaten, könnten sinnvollere Aufgaben übernehmen, ist doch das Lied von zu wenig Arbeitskräften nicht zu überhören.


Davon ausgehend, dass Russland sehr viel mächtiger als die Ukraine ist, lässt sich der Ukrainekrieg ausgezeichnet anhand einer Schulklasse mit einem Mobbingopfer diskutieren. Auch in diesem Fall besteht ein markanter Kräfteunterschied und es gibt eine Reihe weiterer Parallelen. Während ein Schüler in Ungnade gefallen ist, weil er nicht der «Klassennorm» entsprach, ist die Ukraine bei ihrem Nachbarn Russland in Ungnade gefallen, weil ihre Regierung ihren Blick allzu sehr nach Westen richtete. Das rechtfertigt das militärische Eindringen in die Ukraine, genau wie das Misshandeln eines Mobbingopfers, in keiner Weise. Ob sich der Krieg bei den Verhandlungen in der Türkei zum Thema NATO hätte verhindern lassen, ist zumindest nicht ausgeschlossen. In gleichem Stil wie die Ukraine fielen in der Vergangenheit Vietnam, Libyen, Irak, Afghanistan und der Gazastreifen in Ungnade. Stets verhielt sich das Opfer nicht entsprechend den Wunschvorstellungen des Machtausübenden. Ausgrenzungen und Schikanen (Sanktionen) und schlussendlich Gewaltanwendung waren die Folgen. Alles vergleichbar mit Mobbingopfern in Schulklassen oder bei irgendwelchen Gruppierungen.


Beim Schulkonflikt mit Mobbing oder gar Tätlichkeiten ist es unbestritten der falsche Weg, den betroffenen Schüler mit Kampfmitteln wie Messern, Sprühdosen etc. auszurüsten. Die Entwicklung einer Spirale ist voraussehbar. «Wenn der andere mir ins Gesicht spuckt, darf ich das auch, wenn der andere Steine wirft, darf ich das auch, wenn der andere mich mit dem Messer bedroht, darf ich das auch.» Wie das endet, haben wir bei jenen Fällen erlebt, bei denen ein verzweifelter Jugendlicher um sich schoss und ein Schlachtfeld anrichtete. Wo die eingespielte Spirale im Ukrainekrieg endet, ist am Beispiel Hiroshima bekannt. Wenn der Westen dann immer noch glaubt, ihre hochgepriesene Vorstellung von Freiheit - jeder darf machen was er will, sofern er der Stärkere ist - für jeden Preis verteidigen zu müssen, hat die Dummheit der Menschen endgültig zur Selbstzerstörung geführt.


Bei einem Klassenkonflikt wird der Gemobbte mit Beihilfe von Kampfmitteln niemals zu einem geordneten Zusammenleben zurückfinden. Der angerichtete Schaden wird nur von Tag zu Tag grösser. Den Konflikt zu beenden erfordert sowohl beim Mobbing als auch beim Ukrainekrieg, die tiefgründigen Ursachen des Konfliktes «auf den Tisch zu legen» und daran zu arbeiten, diese aus der Welt zu schaffen oder bestmöglich damit umzugehen. Vorübergehend als Verlierer gelten, ist vorteilhafter, als die Lebensgrundlagen eines Volkes zu zerstören, bis hin zu Todesopfern und Kriegsversehrten. Das lehrt uns die Besetzung Ungarns durch Russland im Jahre 1956. Das Land hat in keinem Mass das Leid erfahren, das die Ukraine erfährt, und es konnte in wenigen Jahren zu einem ordentlichen Leben zurückfinden. Zwar dauerte es bis zum Jahr 1989, bis die ungarische Republik ausgerufen wurde. Während dieser Zeit gingen die Menschen ihren gewohnten Gang, während gleichzeitig mit politischen Verhandlungen Regeln entwickelt wurden, um gegenseitig die wichtigsten Werte zu befriedigen. Immenses Leid blieb erspart, indem der Schicksalsschlag der Besetzung momentan angenommen und mit Gesprächen unter den Beteiligten gemeinsame Lösungen erarbeitet wurden.

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